Sto dnei do prikaza

Fünf junge Soldaten der sowjetischen Armee sehen sich einem Kreislauf unentwegter Gewalt ausgesetzt. Auf unterschiedlichste Weise rebellieren sie gegen Demütigungen und die Verletzung ihrer Würde. Dabei erobern sie sich immer wieder unbeschwerte Momente der Vertrautheit und Nähe, auch wenn sie von Anfang an ahnen, dass ihr Kampf vergeblich sein wird und sie ihren Dienst nicht überleben werden. Ungezwungen berühren sie sich mit ihren Blicken und ihren Körpern. Verzweifelt fliehen sie in stumme Imaginationen, um der Gnadenlosigkeit eines entmenschlichten hierarchischen Systems zu entkommen, an dessen Aufrechterhaltung sie selbst beteiligt sind. Aus Intimität, Gemeinschaftssinn und Fantasie schöpfen sie Kraft zum Widerstand gegen den Wahnsinn im Manöver und in der Kaserne. Inspiriert vom gleichnamigen Roman des russischen Schriftstellers Yuri Polyakov zeigt Erkenov junge Männer beim Militär unter sich und wirft ein Schlaglicht auf die Bedeutung, die ihr gegenseitiges Begehren für ihren Armeealltag hat. In aufwühlenden, traumtrunkenen Bildern gestaltet er ihre Vereinsamung, ihre Todesangst und ihre Sehnsucht in einer von patriarchalischen Gewaltstrukturen regierten Welt.

Details

  • Länge

    67.0 min
  • Land

    Russland
  • Vorführungsjahr

    2019
  • Herstellungsjahr

    1990
  • Regie

    Khusein Erkenov
  • Mitwirkende

    Armen Daigarhanian, Lena Kondulainen, Aleksandar Chislov, Oleg Vasilkov, Vladimir Zamansky, Oleg Chusainov, Roman Grekov, Michael Solomatin, Sergei Roshenzev, Valeri Troschkin, Sergei Bystrizki
  • Produktionsfirma

    Gorky Film Studio
  • Berlinale Sektion

    Panorama
  • Berlinale Kategorie

Biografie Khusein Erkenov

Geboren 1960 in Taschkent im heutigen Usbekistan. Sein Studium am Gerassimow-Institut für Kinematographie in Moskau schloss er 1988 ab und realisierte ein Jahr später seinen ersten Kurzfilm, Kolya, der mehrfach international ausgezeichnet wurde. Sein Langfilmdebüt Sto dnei do prikaza (100 Tage, Genosse Soldat) wurde 1990 im Panorama gezeigt. 1998 führte er Regie bei der Fernsehsendung Dolls. Er drehte mehrere Filme, zu denen er auch das Drehbuch schrieb. Sein Film Prikazano zabyt (Ordered to Forget) über die Deportation des tschetschenischen Volkes unter Stalin durfte in russischen Kinos nicht gezeigt werden, da ihm Geschichtsverfälschung vorgeworfen wurde.
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