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Au-delà de la haine

Länge:
86 min.
Herstellungsjahr:
2005
Land:
Frankreich
Regie:
Produktionsfirma:
Hold Up Films, Paris; Miss Luna Films, Boulogne; France 5, France 2, CNC.
Berlinale Sektion:
Forum
Berlinale Kategorie:
Dokumentarfilm
Teddy Award:
Best Documentary/ Essay Film

Inhalt
Weil der neunundzwanzigjährige François Chenu seine Homosexualität offen zeigte, wurde er in der Nacht des 13. September 2002 in einem Park im französischen Reims von drei Skinheads getötet. François‘ Eltern versuchen, ihre Trauer zu verarbeiten, und engagieren sich weiter für Toleranz und Respekt gegenüber Andersdenkenden. 

Über den Film
"In einer Septembernacht 2002 streifen drei Skinheads durch einen Park in Reims. Eigentlich wollen sie sich einen Araber vornehmen. Aber sie begegnen einem Homosexuellen und gehen auf ihn los. Der 29-jährige François Chenu setzt sich zur Wehr, bezeichnet seine Angreifer als Feiglinge. Sie schlagen ihn zusammen. Schwer verletzt ertrinkt er in einem nahe gelegenen Teich. Seine Mörder werden schnell verhaftet. Olivier Meyrou wollte keine Dokumentation über Homophobie machen, sondern einen universellen Film über Toleranz und Intoleranz. Das Ergebnis bleibt einem lange Zeit im Gedächtnis. Voller Würde sprechen die im Film porträtierten Menschen: die Eltern von François, seine Brüder und Schwestern, der Anwalt der Familie. Man hat den Eindruck, dass Olivier Meyrou sich in die Köpfe der Personen versetzt, die er filmt. Er nimmt sich Zeit, um mit den am Prozess Beteiligten zu sprechen, und hält so fest, wie sich im Laufe des Gerichtsverfahrens die Familie und ihr Verhalten zu den Mördern verändern. Selten hat man einen so humanistischen Film über ein derart komplexes Thema gesehen: über den Hass und die Notwendigkeit von Gerechtigkeit und Vergebung." (Vincent Josse, www.radiofrance.fr) 

Interview mit dem Regisseur
Frage: Wie entstand Ihr Interesse an dieser Geschichte? 

Olivier Meyrou: Eigentlich wollte ich einen Film über Homophobie machen, eine Haltung, die auf der ganzen Welt verbreitet ist. Im September 2002 hörte ich von dem Mord an François Chenu. Dieses Drama wählte ich als Ausgangspunkt, um die französische Gesellschaft näher zu betrachten. Ich nahm Kontakt mit den Anwälten der Verteidigung und der Zivilkläger auf. Zuerst wollte ich anhand der Geschichte der drei Angeklagten deutlich machen, wie die Mechanismen des Hasses funktionieren. Im vergangenen Juni erklärten sich jedoch François‘ Eltern bereit, sich mit mir zu treffen. Ihnen und ihrer Trauerarbeit ist es zu verdanken, dass der Film seine jetzige Form gefunden hat. 

Frage: Wie kam es dazu, dass die Chenus einwilligten, vor laufender Kamera zu sprechen?

O.M.: Wir hatten bereits im Vorfeld mit François‘ Familie zusammengearbeitet, ich habe sie häufig besucht. Später nahmen wir einige Interviews auf Tonband auf. Die Dreharbeiten – wir drehten an neunzehn Tagen über einen Zeitraum von sechs Monaten – fanden erst später statt. Mein Film ist vor allem das Resultat einer Annäherung über achtzehn Monate hinweg. 

Frage: Wie erklären Sie sich die Entwicklung dieser Familie und die Tatsache, dass ihre Angehörigen den Tätern verzeihen können? 

O.M.: Jedes Mitglied dieser Familie musste den Schmerz, François verloren zu haben, auf seine eigene Weise verarbeiten. Marie-Cécile, die sich um Krankenhauspatienten kümmert, konnte den Gedanken nicht ertragen, dass ihr Sohn allein gestorben ist. Jean-Paul, ein Sonderpädagoge, erkannte irgendwann, dass der Schmerz über den Verlust seines ältesten Sohnes ihn in die Gefahr brachte, seinen Glauben an menschliche Werte und seinen Lebensmut zu verlieren. In einem
Schlüsselmoment des Films sagt Marie-Cécile, dass es für sie viel einfacher wäre, den Hass und die Gewalt weiter in sich zu tragen. (...) Der Familie Chenu geht es darum, die engagierte Lebenshaltung, die sie schon immer hatte, trotz des Schmerzes nicht aufzugeben. 

Frage: Glauben Sie, dass der Brief, den die Eltern an die Angeklagten geschrieben haben, diese verändern wird? 

O.M.: Es ist noch zu früh, um diese Frage abschließend zu beantworten. Immerhin haben zwei der drei Angeklagten den Eltern bereits geantwortet. Der Dritte wird es noch tun. Der minderjährige von den drei Tätern beginnt allmählich zu begreifen, was er getan hat; bislang war der homosexuelle François für ihn etwas Abstraktes. Der Älteste und Anstifter der drei schreibt in seinem Brief an die Eltern vom Mut seines Opfers und seinem Wunsch, ebenso mutig wie François Chenu zu sein. 

Anne-Laure Fournier, www.france5.fr

FILMOGRAFIE Olivier Meyrou (Auswahl)

2006 Célébration  2005 Au-delà de la haine 

Movie Trailer
Interview - Olivier Meyrou
Article by Clément Graminiès

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