Filme A bis Z

Winner

Be Like Others

Länge:
74 min.
Herstellungsjahr:
2008
Land:
USA/ Kanada/ Großbritannien
Regie:
Darsteller/Mitwirkende:
Ali Askar (Negar)
Anoosh (Anahita)
Farhad
Vida
Ali Ramani
Shahin Hamshahri
Mir Jalali
Hojatol Islam Kariminiya
Mr. Zamani
Produktionsfirma:
Forties B LLC
Berlinale Sektion:
Forum
Berlinale Kategorie:
Dokumentarfilm
Teddy Awards:
Best Documentary/ Essay Film
Siegessaeule Reader's Award

Ein Krankenhaus mitten in Teheran. Vorwiegend junge Menschen sitzen im Wartezimmer. Ihre Verzweiflung hat sie dorthin getrieben. Sie dürfen ihre Liebe und Begehren nicht leben und möchten deshalb ihr Geschlecht ändern lassen. In der Islamischen Republik Iran wird Homosexualität mit der Todesstrafe verfolgt, während Ayatollah Khomeini Transsexualität vor zwanzig Jahren für legal erklärte. Etwa 450 Geschlechtsumwandlungen werden pro Jahr im Iran durchgeführt.

Der Film begleitet einige Menschen kurz vor dem schweren Eingriff. Eine burschikose Frau erzählt von ihrer Zuneigung zu anderen Frauen, ein junger Mann besucht mit seinem Freund einen Frauenfriseur. Wenn er den Schleier trägt, dürfen die beiden händchenhaltend durch die Stadt laufen. Auch die Eltern kommen zu Wort. Von all diesen Menschen geht eine tiefe Verunsicherung aus. Sie leiden unter einem rigiden Moralsystem, das Homosexuelle für krank und pervers erklärt. Letztlich wissen sie nicht, wie ihnen geschieht, weil sie ihre eigenen Empfindungen nicht einordnen können. Tanaz Eshaghians Dokumentarfilm lässt ihnen Zeit, nach Worten und Formulierungen zu suchen. Und man hat das Gefühl, dass sie sich während des Sprechens vor der aufmerksamen Kamera selbst ein wenig näher kommen.

In der Islamischen Republik Iran, einem Land mit strengen Sitten und traditionellen Werten, sind operative  Geschlechtsumwandlungen legal. Vor mehr als zwanzig Jahren hat Ayatollah Khomeini eine Fatwa herausgegeben, nach der Geschlechtsumwandlungen für „diagnostizierte Transsexuelle” zulässig sind.
Homosexualität allerdings wird nach wie vor mit dem Tod bestraft. Während Irans internationale Waffenverhandlungen weltweit die Nachrichten beherrschen, spielt sich jenseits der Öffentlichkeit eine sehr besondere Art von Drama in dem Land ab.

Die iranisch-amerikanische Filmemacherin Tanaz Eshaghian erzählt in BE LIKE OTHERS die Geschichte mehrerer Männer zwischen zwanzig und dreißig, die in einem Milieu, in dem nonkonforme Geschlechterrollen nicht geduldet sind, darum kämpfen, ihr wahres Selbst zu finden. Sie wirken ausgesprochen feminin und fühlen sich von Männern angezogen. Die drohende Bestrafung zwingt sie jedoch zu einem Leben im Verborgenen, dem sie nur über einen legalen Weg entkommen: den der Transsexualität. Im Streben nach dem, was einer der Männer schlicht „ein ehrbares Leben” nennt, verfolgen sie ein drastisches Ziel: die operative Geschlechtsumwandlung.
Voller Scham, zum Schweigen verurteilt oder durch ihr soziales Umfeld dazu konditioniert, ihre sexuelle Veranlagung zu verleugnen, verschreiben sich diese Männer – dem Anschein nach freiwillig – der Ideologie des islamischen Staates. Für sie ist der Wechsel des Geschlechts nicht sündhafter als „die Umwandlung von Weizen in Mehl in Brot“, wie ein Kleriker erklärt. Im Verlauf des Films wird die vielschichtige Logik, die hinter dieser Vorstellung steht, ebenso nachvollziehbar wie die Konsequenzen, die das Leben in der iranischen Kultur mit sich bringt, wo man am Esstisch frei philosophieren darf, wo aber das eigene Handeln einem strengen konservativ-religiösen Gesetz zu folgen hat.
Ort der Handlung in BE LIKE OTHERS ist die Praxis des landesweit bekanntesten Chirurgen für  Geschlechtsumwandlungen, Dr. Bahram Mir Jalali, in Teheran. Jede Woche füllt sich sein Wartezimmer mit neuen Patienten; Mir Jalali bietet ihnen einen Hoffnungsschimmer, wenn er ihnen dabei hilft, eine staatliche Finanzierung für ihre Behandlung zu organisieren, und verspricht, dass es anschließend „leichter für sie sein wird, Männern zu gefallen” als für die fortschrittlichen iranischen Frauen von heute.
Durch die Protagonisten des Films wird die menschliche Dimension der Thematik anschaulich. Anoosh, zwanzig Jahre alt und leicht untersetzt, hat das effeminierte Styling eines Clubkids. (In einem Moment von schrägem Humor streitet er mit seiner Mutter darüber, wie viel Make-up er aufträgt, wenn er auf die Straße geht.) Sein gut aussehender Freund Ali geht davon aus, dass die Operation sie beide sowohl von der gesellschaftlichen Schande wie auch von der konstanten Schikane seitens der selbst ernannten Moralpolizei Irans befreien wird – und dass sie Anooshs offensichtliches Unbehagen darüber, einen anderen Mann zu begehren, beenden würde.
Indessen trifft Ali Askar ein, ein großer, eleganter junger Mann mit einer behutsamen, respektvollen Art. Er kommt aus einem Dorf auf dem Land, wo seine feminine Art ihn zum Ziel ständiger Beschimpfungen machte. In einem bewegenden Augenblick kurz vor seiner Operation überlegt er im Krankenhausbett ruhig, dass er „Gottes Werk“ niemals antasten würde, wenn er sich „irgendwo anders als im Iran“ befinden würde.
Der skeptische Farhad sorgt für einen aufwühlenden Moment, als er für die Wahrheit eintritt. In einem Wutausbruch während eines Interviews mit dem ultrakonservativen staatlichen Rundfunk spricht er aus, was sich andere weigern einzugestehen: dass die iranische Gesellschaft junge Männer wie ihn buchstäblich dazu zwingt, eine Wahl zu treffen, die sie unter anderen Umständen niemals treffen würden.
Angespornt werden diese jungen Männer von ihrer inoffiziellen Mentorin und Fürsprecherin Vida, einer Vierundzwanzigjährigen, die behauptet, dass sie vor zehn Monaten „neu geboren“ wurde, als sie zu einer ‘Frau‘ gemacht worden ist. Eloquent und scharfsinnig berät sie die jungen Männer darüber, wie sie vor der Operation ‘klarkommen‘ können, und warnt sie vor den Gefahren, mit denen nach der Operation zu rechnen ist. Ohne familiäre Unterstützung, sagt sie, bleiben viele operierte Transsexuelle auf der Strecke, enden auf der Straße, in der Sex-Industrie oder sogar als Mordopfer.

BE LIKE OTHERS begleitet die Protagonisten bei der Vorbereitung auf den Eingriff, folgt ihnen in den Operationssaal und zurück in ihr Alltagsleben und wirft dabei einige schwerwiegende ethische Fragen auf. Sind diese jungen Männer in der Lage, zu verstehen, dass ihre Entscheidung nicht rückgängig zu machen sein wird? Sind sie bereit, auf ihre angestammten Vorrechte, die sie als männliche Bürger genießen, zu verzichten und die nachrangige Rolle der Frau zu akzeptieren? Und ist Vida wirklich ein Beispiel für die dank der Chirurgie gefundene Erfüllung oder eine einsame Vorreiterin auf der verzweifelten Suche nach Schicksalsgenossinnen? In einer Zeit, in der es kaum etwas Wichtigeres gibt als interkulturelles Verständnis, vermittelt BE LIKE OTHERS auf berührende und sehr persönliche Weise Einblick in das Leben in der ersten Theokratie der modernen Welt, und zwar anhand der Perspektive von Menschen, die an ihren Rändern leben und Akzeptanz zu erlangen versuchen durch das radikalste aller Mittel.
Produktionsmitteilung

Scham ist die beherrschende Kraft
Interview mit der Regisseurin

Frage: Erzählen sie uns, wie Sie auf die Idee zu diesem Film gekommen sind.

Tanaz Eshaghian: Irgendwann im Jahr 2004 habe ich in der New York Times gelesen, dass Geschlechtsumwandlungen im Iran erlaubt sind. Der Artikel handelte davon, dass Ayatollah Khomeini vor mehr als zwanzig Jahren eine Fatwa herausgegeben hat, in der es hieß, dass es, wenn jemand von einem Arzt für transsexuell erklärt wird, erlaubt sei, ihm oder ihr durch eine Geschlechtsumwandlung zu helfen. Das hat mich bestürzt, und ich konnte es einfach nicht glauben. Ich habe noch lange darüber gestaunt, wie dieses Gesetz in einer traditionellen Gesellschaft wie dem Iran ausgelegt wurde.

Frage: Welcher Aspekt dieses Themas hat Sie besonders interessiert?

T.E.: Was mich faszinierte, war die Existenz einer Welt innerhalb des Irans, von der ich noch nie gehört hatte und von der ich mir nicht einmal vorstellen konnte, dass es sie gibt. Wie geht die iranische Kultur mit Menschen um, auf deren Geschlecht oder Sexualität die traditionellen Zuschreibungen ’männlich’ und ’weiblich’ nicht passen?
Ich wollte sehen, wie die iranische Kultur mit Menschen verfährt, die nicht in die üblichen Schemata passen. Ich habe die iranische Kultur als sehr konservativ und traditionsgebunden erfahren, besonders in Fragen der Sexualität und der Geschlechterrollen. Die Art, wie man sich benimmt, muss immer anständig und an den herrschenden Kanon kultureller Glaubenssätze angepasst sein.

Frage: Wann haben Sie mit der Arbeit an diesem Film begonnen?

T.E.: Vor eineinhalb Jahren. Damals habe ich eine Projektbeschreibung verfasst und versucht, potenzielle Geldgeber für einen Film über Transsexuelle im Iran zu interessieren. Aber das waren lediglich Worte, die auf einem Papier standen, und niemand zeigte wirkliches Interesse dafür. Die meisten, mit denen ich sprach, meinten, „na gut, noch ein Film über Transsexuelle“, und schienen eher unbeeindruckt. Ich versuchte an unterschiedlichen Stellen, Geld aufzutreiben, aber es gelang mir nicht. Deshalb entschloss ich mich irgendwann, in den Iran zu reisen und mit eigenem Geld mit dem Drehen anzufangen.

Frage: War es schwierig, eine Dreherlaubnis für den Iran zu bekommen?

T.E.: Ich hatte damit gerechnet, für dieses Thema von der Regierung die Dreherlaubnis zu erhalten, weil operative Geschlechtsumwandlungen vom Staat gebilligt und unterstützt werden. Ich vermute, dass die zuständigen Behörden davon ausgehen, dass den Menschen im Westen durch so einen Film eine Vorstellung vom Iran vermittelt wird, die mit Modernität konnotiert ist – im Gegensatz zu den üblichen antiiranischen Darstellungen, in denen das Land als archaisch und antiwestlich hingestellt wird. Bereits zuvor war von der Regierung die Produktion einiger kurzer Fernsehbeiträge – für die BBC und für das französische Fernsehen – über das Thema genehmigt worden, weshalb ich davon ausging, dass man mir ebenfalls gestatten würde zu drehen. Ich ging zur UNO hier in New York und stellte einen offiziellen Antrag. Darauf erhielt ich allerdings keinerlei Antwort. Erst, nachdem ich schon einen Monat im Iran war, wurde mir endlich offiziell die Drehgenehmigung erteilt, und zwar für einen Zeitraum von fünfunddreißig Tagen. Ich konnte kaum glauben, dass ich so lange filmen durfte! Ich hatte mit einer, im Höchstfall mit zwei Wochen gerechnet. Außerdem hatten die Behörden mir auch noch ermutigende Briefe geschickt. Während meines gesamten Aufenthalts im Iran trug ich diese offiziellen Papiere, wo immer ich hinging, bei mir.

Frage: Wann haben Sie mit dem Drehen begonnen?

T.E.: Wenige Tage, nachdem ich im Iran angekommen war, fing ich mit dem Drehen an. Ich besuchte die Klinik, trank dort Tee, sprach mit Dr. Mir Jalali und allen anderen dort. Nachdem ich mir auf diese Weise einen ersten Eindruck verschafft hatte, hielt ich mich von da ab regelmäßig in der Klinik auf. Es erwies sich als das sinnvollste Vorgehen, einfach während der Sprechzeiten jeden Dienstag und Mittwoch vor Ort zu sein. Einfach nur im Warteraum der Klinik zu sitzen und die jungen Männer und Frauen zu beobachten, die dort ein- und ausgingen, war faszinierend. Einige waren da, weil sie sich für eine Geschlechtsumwandlung interessierten, bei anderen gab es Komplikationen nach der Operation. Manchmal tauchten auch sehr deprimierte Eltern auf, die sich für ihren Sohn oder ihre Tochter über die Operation informieren wollten. Die Gespräche im Wartezimmer waren unglaublich. Einfach dort eine Kamera aufzustellen und laufen zu lassen, würde allein schon einen fantastischen Dokumentarfilm ergeben!

Frage: Was war mit dem Arzt? War er von Anfang an mit von der Partie?

T.E.: Ich wusste, dass der Arzt mitmachen würde, noch bevor ich in den Iran reiste. Er hatte bereits anderen Kamerateams erlaubt, in der Klinik zu filmen. Er ist ziemlich zufrieden mit dem, was er tut, denn erstens ist es legal und wird von staatlicher Seite gutgeheißen, und außerdem hat sein Wirkungsfeld eine recht progressive Note. Er weiß auch, dass er für seine verzweifelten Patienten die letzte Hoffnung zur Lösung ihrer Probleme verkörpert.

Frage: So besuchten Sie also Tag für Tag das Wartezimmer, gingen vom einen zum anderen, beobachteten, was sich ereignete, und drehten einfach?

T.E.: Ja, ich filmte, was ich dort sah, und währenddessen versuchte ich, die Logik hinter dem, was dort geschah, zu ergründen. Ich wollte verstehen, warum diese Menschen sich für eine Geschlechtsumwandlung interessierten, warum sie gerne dort hinkamen und warum sie den Arzt wie einen Erlöser behandelten. Weswegen waren sie so verzweifelt, warum wollten sie diese Geschlechtsänderung so dringend? Wann immer ich eine Situation vorfand, die mir im Hinblick auf die Gründe für diese Entscheidungen aufschlussreich schien, hielt ich die Kamera darauf. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was ich dort für Gespräche mitangehört habe und wie viele Schlüsselaspekte der iranischen Kultur in ihnen deutlich wurden. Diese Menschen versuchen herauszufinden, was man tun kann, wenn man nicht in die Norm passt. Das gesamte iranische Glaubenssystem wurde in diesen Gesprächen deutlich.

Frage: Wie hat sich der Umstand, dass Sie eine Ausländerin sind, auf Ihre Beziehung zu den Menschen in Ihrem Film ausgewirkt?

T.E.: Ich glaube, dass mir Tatsache, dass ich aus einem anderen Land komme und doch mit der kulturellen Etikette, die die Menschen dort gewohnt sind, vertraut war, sehr nützlich war. Einerseits mussten sie mich als Amerikanerin betrachten, was ein Spaß für sie war. Ich nehme an, dass sie, weil ich von ‘draußen‘ kam, offener zu mir waren. Sie bemühten sich, mir die Dinge zu erklären, wenn ich etwas nicht verstand, was toll war. Ich denke, dass mein ‘Westler‘-Status ihnen das Gefühl gab, dass, was immer sie mir sagten, nicht die Bedeutung hatte, die es gehabt hätte, wenn sie es zu jemandem gesagt hätten, der im Iran lebt – der möglicherweise in der Lage wäre, es eines Tages gegen sie zu verwenden. Andererseits aber spürten sie auch eine Verbindung zu mir, weil ich ihre Sprache spreche und von meinen kulturellen Wurzeln her begreifen konnte, woher sie stammen.

Frage: Sie porträtieren in Ihrem Film eine außergewöhnlichen Subkultur. Für ein westliches Publikum beinhaltet der Film aber zugleich auch einen ungewohnten Blick auf eine Kultur, die wir nicht kennen und von der wir nur selten etwas erfahren.

T.E.: Meine Ausgangsidee war es nicht so sehr, einen Film über eine Subkultur zu machen. Ich bin vielmehr der Überzeugung, dass man die Logik jeder Kultur wirklich nur über ihre Ränder verstehen kann, durch diejenigen, die ihr nicht passen. Vermittelt durch die Randexistenzen wird verständlich, was alle anderen aufrechthält und für Common Sense [Gemeinsinn] gehalten wird. Mich interessierten die gängigen Vorstellungen von Geschlecht und Geschlechterrollen und die jeweils damit verbundenen Erwartungen.

Frage: Was ist Ihrem Eindruck nach die Motivation dafür, dass Menschen ihr Geschlecht wechseln?

T.E.: Meine Beobachtung während des Drehens war, dass das, was diese jungen Männer dazu zwingt, ‘freiwillig‘ die Klinik aufzusuchen und sich unter‘s Messer zu begeben, eine der elementaren Säulen der iranischen Kultur ist: der Wunsch, Scham zu vermeiden, koste es, was es wolle. Scham ist eine wirklich beherrschende Kraft im Leben der Menschen dort. Was die jungen Männer teilweise zur Operation treibt, ist der Umstand, dass sie ihren natürlichen Zustand als schändlich empfinden. Sie haben ständig das Gefühl, dass die Leute denken: „Warum sehen die so aus? Es ist eine Schande und unmoralisch.” Ich glaube, dass es für sie unerträglich sein muss, sich so zu fühlen. In einer Gemeinschaftskultur ist es das Schlimmste, sich so zu fühlen, und deshalb sucht man nach irgendeinem Ausweg. Es ist besser zu denken und auch zu anderen sagen zu können: „Nein, ich bin nicht schmutzig oder jemand, auf den du herabschauen solltest. Ich bin krank. Das ist eine medizinische Gegebenheit und ein wissenschaftliches Problem, kein moralisches. Du hast kein Recht, darüber zu richten – es befindet sich jenseits der Rechtsprechung, denn es ist etwas Medizinisches.” Auf diese Weise bekommt man das Thema weg von den Mechanismen von Scham und Ablehnung und siedelt es innerhalb eines rein medizinischen Diskurses an. Ich halte dies für eine wirkliche Schlüsselmotivation für die betroffenen Menschen. Die Menschen im Film haben tatsächlich das Gefühl, dass dies die Antwort auf all ihre Probleme und den Selbsthass sein könnte, der entsteht, wenn man von seinen Mitmenschen verachtet wird.

Frage: Ein Mittel also für diese jungen Männer, das es ihnen erlaubt, einen Platz in ihrer Familie und ihrer Kultur zu behalten?

T.E.: Nein. Die Operation bedeutet nicht automatisch, dass deine Familie dich akzeptieren wird – eine Familie ist blamiert, wenn ihr Sohn zu einem Mädchen wird. Was die Familien sich wünschen, ist, dass die Jungen einfach aufhören, sich auf diese Art bewegen. Du bist ein Mann, also sei ein Mann. Aber diese Jungen können nicht, was ihre Angehörigen von ihnen wollen: sich wie ein männlicher Mann benehmen, von Frauen angezogen sein und einen steifen Gang an den Tag legen. Sie suchen nach einer Lösung, die es ihnen wenigstens ermöglicht, ohne Gefühle von Scham und Sündhaftigkeit von demjenigen Geschlecht angezogen zu werden, von dem sie natürlicherweise angezogen sind; eine Lösung, die es ihnen gestattet, sich, ohne drangsaliert zu werden, in der Gesellschaft zu bewegen.

Interview: Olivia Barker, 15. Dezember 2007

FILMOGRAFIE Tanaz Eshaghian (Auswahl)

2008 Be Like Others 

zurück zur Übersicht