Love is in the Kino

Es ist Valentinstag, ein kommerzieller Tag, erfunden von Pralinenherstellern und Blumenverkäufern, um Geld und vergesslichen Partnern ein schlechtes Gewissen zu machen. Rote Rosen werden en masse an den Straßenecken feil geboten, die Schokoladenregale der Supermärkte panisch geplündert, Spontanreisen in die Südsee gebucht. Trotzdem lieben wir es. Und wem Grünzeug und Last-Minute-Reisen nicht liegen, der sollte nicht lange zögern und heute TEDDY Karten verschenken, entweder für die TEDDY AWARD Gala morgen Abend oder fürs Kino, denn auch heute haben wir wieder Großartiges im Angebot, denn warum in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah: Neues aus Ostdeutschland, professionelle Lesben und fabelhaftes made in Taiwan.

Außerdem stellt sich heute die diesjährige internationale TEDDY JURY in Interviews vor.

 

Out in Ostberlin

Im Gegensatz zur Bundesrepublik entkriminalisierte das Strafgesetzbuch der DDR Homosexualität schon 1968. Doch der Arbeiter- und Bauernstaat nahm seine schwulen und lesbischen BürgerInnen keineswegs mit offenen Armen auf, ihre Sexualität wurde zum Tabu und sie wurden aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit gedrängt. Die "verzauberte" Kriegsgeneration fühlte sich in ihrem Streben nach unauffälliger Normalität provoziert von den Jüngeren, die sich outeten und offen Freiräume einforderten. 13 berührende Einzelschicksale verdeutlichen die privaten und politischen Entwicklungen, die zur Opposition gegen den Staatsapparat führten.

Die Gründer der Ost-Berliner LGBT-Bewegung, die "Terrorlesben" aus dem Prenzlauer Berg, kommunistische Schwule und Kirchengruppen - sie alle wollten eine Veränderung des Systems und hofften auf mehr Offenheit im Umgang mit ihrer Sexualität: OUT IN OST-BERLIN.

CineStar 7, 12.00 Uhr

A midsummer night's dream, CinemaxX 8, 13.30 Uhr

 

Der Wald ist der Star! In Shakespeares Liebeskomödie dient er als Bühne für Menschen und Naturgeister. Hier treffen die zwei Jungverliebten Lysander und Hermia sowie deren Verehrer Demetrius auf ihrer Flucht aus Athen auf das Elfenherrscherpaar Titania und Oberon. Als dieser dem Elf Puck befiehlt, ein aphrodisierendes Kraut auszustreuen, und zudem eine Schauspieltruppe durchs Unterholz bricht, führt dies zu argen Herzensverwirrungen …

Ein Werk des »großen Zauberers« Max Reinhardt, filmisch eingerichtet von dem ehemaligen Reinhardt-Schauspieler Wilhelm Dieterle. Den SOMMERNACHTSTRAUM hatte Reinhardt erstmals 1905 inszeniert, damals schon mit der Musik von Mendelssohn. Es folgten 14 weitere Bühneneinrichtungen, zuletzt 1934 auf der Freilichtbühne der Hollywood Bowl – ein Gesamtkunstwerk, das jeweils 20 000 Zuschauer »verzauberte«. Die Verfilmung übernahm daraus, neben dem fulminanten Debütanten Mickey Rooney als Puck, etliche Effekte, darunter einen »echten« Wald mit natürlichen Blättern, den Reinhardt im Studio mit zahmen Rehen belebte.

CinemaxX 8, 13.30 Uhr

Trans in Belgrad

 

 

JA KADA SAM BILA KLINAC (WHEN I WAS A BOY I WAS A GIRl): Goca ist ein Transvestit. Sie lebt in Belgrad, der Hauptstadt eines Landes, das die Organisation oder Teilnahme an einer Gay Parade verbietet. Goca zieht eine Tochter auf, die eigentlich ihre Nichte ist. Ihr 18-jähriger Boyfriend klaut ihr Geld, das sie als Sexarbeiterin in einem gefährlichen Umfeld verdient. Goca liebt ihn trotzdem und hat sich ein offenes, helles Wesen erhalten. An ihrem 39. Geburtstag beschließt Goca, ihr Coming-out vor Publikum auf einer Theaterbühne zu zelebrieren. Sie erzählt die Geschichte ihres Lebens: "Als ich ein Junge war, war ich ein Mädchen."

CinemaxX 5, 16.00 Uhr

Interview WHEN I WAS A BOY...

 

Ein kleiner schritt für einen Menschen...

 

 

1951 sucht die New Yorker Dichterin Elizabeth Bishop neue Inspiration für ihre Lyrik. Sie reist nach Rio de Janeiro und besucht dort ihre Studienfreundin Mary. Sie ist das ganze Gegenteil von Marys schneidiger Lebensgefährtin, der Architektin Lota de Macedo Soares. Deren anfängliche Ablehnung schlägt bald in offene Avancen um. Als sich Elizabeths geplante Abreise unerwartet verzögert, gibt sie Lotas Drängen nach. Mary ist eifersüchtig, aber die unkonventionelle Lota will um jeden Preis beide Frauen. Die Ménage-à-trois gerät aus dem Gleichgewicht, als Lota ihr größtes Werk beginnt, die Gestaltung des Parque do Flamengo in Rio.

Die Dreiecksgeschichte REACHING FOR THE MOON, befeuert durch einen zerstörerischen Alkoholkonsum, entspinnt sich vor dem Hintergrund des Militärputsches 1964. Bishops berührende Gedichte stehen im Zentrum; die so wichtige Phase im Leben der einflussreichen Lyrikerin und Pulitzer-Preisträgerin wird opulent illustriert.

Kino International, 17.00 Uhr

Kunst an der Copacabana

Der Film HÉLIO OITICICA (1937-1980) widmet sich einem der bedeutendsten brasilianischen Künstler des 20. Jahrhunderts und dem Onkel des Regisseurs der Produktion. Der Film verzichtet auf Kommentar und Interviews und lässt stattdessen in Film- und Tonarchivaufnahmen Oiticica selbst zu Wort kommen. Aus den Zeugnissen des Künstlers erfahren wir so etwas über Oiticicas künstlerische Entwicklung und seine umfassenden politischen und ästhetischen Interessen.

Entstanden ist so das gewagte und komplexe Porträt eines Künstlers, bei dem Arbeit und Leben (Homosexualität und Drogen eingeschlossen) einander bedingen und verwandeln.

Der Hamburger Bahnhof zeigt zudem Werke des Künslters.

Kino Arsenal, 17.00 Uhr

 

Interview HÉLIO OITICICA

 

Professionelle Lesben

 

 

CONCUSSION: Abby ist 42, verheiratet, gut situiert, lesbisch, hat mit ihrer Frau zwei Kinder – ein echtes Familienidyll. Sie beginnt ein Renovierungsprojekt in der nahen Großstadt und verlässt schließlich nicht nur den aufgeräumten Vorort, sondern auch den vorgezeichneten Weg: Nachdem sie zweimal mit Prostituierten Sex gehabt hat, beginnt sie selbst für die vermutlich unwahrscheinlichste Zuhälterin der Filmgeschichte zu arbeiten - nur für Frauen, versteht sich.

New New Queer Cinema: die Frauen werden älter, die Themen erwachsener, aufgeräumter. Oder eben gerade doch nicht? Stacie Passons erster langer Spielfilm wurde von Rose Troche produziert, der Regisseurin von GO FISH, einem lesbischen Klassiker des New Queer Cinema und TEDDY-Gewinner 1994.

CineStar 3, 17.45 Uhr

Colosseum 1, 22.30 Uhr

Mach disch nagisch

TA AV MIG (UNDRESS ME): Es ist Nacht. Zwei begegnen sich, Mann und Frau. Über und vor allem ist die Anziehung zu spüren. Die Anziehung, die Lust zu küssen, die Lust auf mehr. Er streichelt sie, will sie küssen. "Du bist die erste, die größer ist als ich und eine tiefere Stimme hat als ich." – "Ich habe mich operieren lassen, vor drei Jahren." Ansicht und Blick werden sich abwechseln in dieser Nacht. Alle Lust sucht sich ihren Weg. Wer kreiert wen und was bleibt?
 
Colosseum 1, 17.45 Uhr

 

Die Schwangerschaftswütigen


 

Katja und Isabella entschließen sich, ein Kind zu bekommen, ZWEI MÜTTER zu werden. Wie viele lesbische Paare in Deutschland müssen sie aber feststellen, dass der Weg dorthin weitaus schwieriger ist als gedacht: Die meisten Samenbanken und Kinderwunschkliniken lehnen mit juristischen Argumenten eine Behandlung ab. Zum Glück finden sie einen Arzt – die Sache kostet aber, so oder so, eine erhebliche Summe Geld. Irgendwann möchte Katja die Behandlung abbrechen, weil dieses ‚Projekt‘ ihre Beziehung zunehmend belastet und auch ihre finanzielle Situation immer schwieriger wird. Doch Isabella mag nicht aufgeben.

Die frei erfundene Handlung zwischen Experiment und Lehrstück verarbeitet heikles Material: Recherchen und Statistiken, Fakten und Prognosen, Wünsche und Wirklichkeiten. Eine aufregende Arbeit aus der bunten Zone zwischen Realität und Fiktion.

CinemaxX 3, 19.30 Uhr

Amélie Made in Taiwan

Seit neun Jahren ist der introvertierte Weichung mit Feng verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn, und Feng möchte noch ein weiteres Kind mit ihm. Eines Tages taucht Stephen auf, ein Freund aus alten Zeiten, der Hochzeitsveranstaltungen ausrichtet, und ermutigt Weichung, sein vergangenes schwules Leben wieder aufzunehmen. Weichung möchte seine Frau Feng jedoch nicht verlieren und beginnt nur zögernd, hinter ihrem Rücken einen Flugbegleiter zu treffen.

Mit spielerischem Charme bringt Chen Arvin in seinem Film WILL YOU STILL LOVE ME TOMORROW? Partnerschaftsvorstellungen ins Wanken. Komödiantisch öffnet er die Grenzen der Kleinfamilie und integriert sie in eine vielfältige Gemeinschaft, in der Unabhängigkeit und Bindung, Freundschaft und sexuelle Erfüllung ihre Balance finden.

Kino International, 20.00 Uhr

 

Ein herz, ein schlag, ein blitz für die, die bei mir sind

 

 

Eine Clique versammelt sich in einem Landhaus, um ihre ganz eigene Trauerfeier für einen Freund abzuhalten, der sich umgebracht hat.

Nicht selten sind es extreme Situationen, die Menschen aus der Reserve locken. Hier führt der Selbstmord zu einer Art Auszeit, während eines Wochenendes denken diese jungen Menschen nicht mehr an das Morgen. Vielmehr ergeben sie sich ganz dem Moment, lassen den Gefühlen freien Lauf. Man tanzt, liebt, streitet, trinkt, geht spazieren oder legt sich schlafen. Aber man erinnert sich auch an den Toten. Er ist präsent in Gedanken und Gesprächen.

Man merkt dem Spielfilm ECHOLOT an, dass Athanasios Karanikolas zuvor als Dokumentarfilmer gearbeitet hat. Er beobachtet seine Darsteller mehr, als dass er sie inszeniert. So wechseln sich konzentrierte Augenblicke der Reflexion mit denen einer Trauer ab, die sich das Recht nimmt, ganz eigene Wege zu gehen.

CineStar 8, 21.30 Uhr

 

Rufus on Stage

 

Im Mai 2011 ehrte ein Konzert im New Yorker Town Hall Theatre die einflussreiche kanadische Sängerin und Songwriterin Kate McGarrigle, die 2010 mit 63 Jahren an Krebs starb. Der Film zeigt den engen Kreis ihrer Kinder Rufus und Martha Wainwright, ihrer Schwester Anna McGarrigle und befreundeter Künstler wie Emmylou Harris, Norah Jones, Antony Hegarty oder Teddy Thompson auf der Bühne, wie sie mit Kates musikalischem Nachlass das Publikum verzaubern.

Sparsam und berührend ergänzt Lian Lunson ihre Dokumentation SING ME THE SONGS THAT SAY I LOVE YOU mit Interviews, Archivbildern, Privatvideos oder einem Brief des Vaters und kommt Kate und ihrer Familie immer näher – bis zur Stunde des Abschieds. In einer alten Aufnahme sind Rufus’ und Marthas Kinderstimmen zu hören. Sie singen ein französisches Weihnachtslied.

CineStar Event, 21.45 Uhr

 

 
 

Nur kurz telefonieren

 

 

 

BESHIVHEY HAYOM (IN THE PRAISE OF THE DAY): Der Sabbat steht vor der Tür, die letzten Vorbereitungen werden getätigt und es ist fast menschenleer, von der Cruiser-Szene abgesehen. Ein junger Mann, Oren, muss telefonieren, doch er hat kein Handy dabei. Dann taucht sein Geliebter auf; der Mann, den er wirklich will. Die beiden gehen in dessen Wohnung. Oren versucht wieder, ein Telefonat zu führen, diesmal mit Erfolg. Die Hingabe an den Moment wird von seinem Anruf verzögert, aber nicht aufgehalten.

CinemaxX 3, 22.00 Uhr

Gentrifizierung in New York

1989 mietete und renovierte Su Friedrich mit Freundinnen eine alte Industrieetage in Williamsburg, einem bescheidenen Brooklyner Arbeiterviertel. 2005 wurde das ehemalige Industriegebiet als reines Wohngebiet ausgewiesen. Die produzierenden Betriebe, Handwerker und Künstlerlofts wurden von Bauspekulanten verdrängt, die man mit Steuergeschenken angelockt hatte. Über fünf Jahre dokumentierte Friedrich den Wandel in der Gegend zwischen East River und Brooklyn-Queens Expressway mit ihrer Kamera.

Die Dokumentation GUT RENOVATION kleiner Veränderungen wird zu einem Stück Geschichtsschreibung in New York. Ein wehmütiger, essayistischer Abgesang auf ein Stadtviertel und einen Lebensstil, aber auch eine Fallstudie zur galoppierenden Gentrifizierung in den Städten.

CineStar 7, 22.30 Uhr

 

Schwarz, schwul und Hustler

 

 

"What I really want to do is what I am doing now: perform", so Jason Holliday in "seinem" Porträt. Jason, schwarz, schwul und ein selbsterklärter Hustler, inszeniert sich, wird inszeniert, erzählt, erfindet, gesteht, behauptet und fordert heraus: die Kamera, das Filmteam und uns, die Zuschauer, mit unseren Vorstellungen von Identität und Wahrheit. In der Rezeption des Films wurde stets darauf hingewiesen, dass er weder als Dokumentarfilm, Phantasmagorie, Casting- oder Interviewaufnahme kategorisierbar sei.

PORTRAIT OF JASON ist all das, und doch etwas anderes, ein exzessiver Dialog mit Kamera und Publikum. Nach seinem Anfangserfolg und Verleih durch die Filmmakers Coop war er nur als VHS, seit 2006 auch als DVD im Umlauf, die mit dem spekulativen Hinweis versehen publiziert wurde, dass die Unverfügbarkeit des Films als materialer Ausdruck seiner kategorialen Uneindeutigkeit zu verstehen sein könnte.

Kino Arsenal 1, 22.30 Uhr

Strangers in the night

Won-gyu ist Flugbegleiter und ständig unterwegs. Tae-jun ist Motorradbote und lebt mehr oder weniger auf der Straße. Zwei Männer. Zwei Jobs, die sie immer auf Tour sein lassen. Zwei Leben, die aus flüchtigen Momenten bestehen. Die beiden lernen sich übers Internet kennen und verabreden sich. Sie haben nur wenige Stunden. Dass Won-gyu eigentlich nie mehr nach Seoul zurückkehren wollte, weil er eine traurige, wütende Erinnerung mit der Stadt verbindet, legt sich wie ein Schatten über das Treffen.  Beide begeben sich an den Ort, an dem vor längerer Zeit ein brutaler Angriff auf Schwule stattfand.

BAEK YA (WHITE NIGHT) ist ein von Wut und Sehnsucht geprägter Streifzug durch eine Stadt, in der längst nicht jeder sein Leben, seine Liebe leben darf. Und für einen kurzen, aber schönen Moment lässt wenigstens dieser Film die beiden einfach miteinander sein.

CineStar 3, 22.45 Uhr

 

 

VERANSTALTUNGEN

Mattachine Dance Party


Die queer-feminististische Musikplattform Expatriarch und der TEDDY präsentieren die MATTACHINE DANCE PARTY @ Monster Ronson's. Dies ist die Europapremiere von MATTACHINE, die Danceparty DJed von Regisseur/Schauspieler und TEDDY Gewinner John Cameron Mitchell (NYC), den SHORTBUS Stars PJ DeBoy & Paul Dawson (NYC) sowie Joey Hansom (Expatriach)

Zudem singt Mr Mitchell einige seiner Favourites aus dem HEDWIG Repertoire, musikalisch begleitet von STella Veloce an der akkustischen Gitarre.

Ab 22.00 Uhr

Ort: Monster Ronson's, Warschauer Str. 34, S/U Warschauer Str.

Connection goes Teddy

CONNECTION goes TEDDY

Heute Abend findet im Connection die CONNECTION GOES TEDDY Party statt:

21:00 Uhr: Connection TEDDY-Bar
23:00 Uhr: Connection Pre-TEDDY-Party
Nur heute gibt's Tickets zur TEDDY PARTY im vergünstigten Angebot

Ort: Connection-Club, Fuggerstr. 33, 10777 Berlin
Heute Eintritt frei!