Bär jeder VErnunft

Es gibt Braunbären, Schwarzbären und goldene Bären, Waschbären, Pandabären, Brummbären und Koalabären, Gummibären und Yogibären. Und natürlich TEDDY-Bären. Während der Teddy einst seinen Namen von einem amerikanischen entlieh, wurde der TEDDY vor 27 Jahren als kleiner Bruder des Berlinale Bären aus der Taufe gehoben und hat seitdem eine unglaubliche Erfolgsgeschichte erlebt, zum wichtigsten queeren Filmpreis der Welt aufstieg und längst in die internationalen Filmbärenregister aufgenommen wurde.

Filme, die auch in diesem Jahr um einen unserer beliebten TEDDYS konkurrieren, könnt ihr euch auch heute wieder anschauen. Wir bieten euch heute Rache, Retro, Revolution und ganz viel Rosa.

 

Viktoria der Lenz ist da

VIKTOR UND VIKTORIA sind als Schauspieler und Sängerin »unvermittelbar«. Viktor immerhin bekommt Engagements als Damenimitator. Als er krank wird, springt Viktoria für ihn ein: Sie zieht sich Hosen an und spielt nun als Frau einen Mann, der eine Frau spielt. Bei einem Gastspiel in London reißen sich Männer wie Frauen um sie…

Indem die Protagonisten geschlechtliche Maßgaben zur Disposition stellen und nicht etwa wie ihre arbeitslosen Leidenskollegen nach staatlichen Maßnahmen verlangen, verwandelt sich die Krisenkomödie in eine Gender-Komödie.

CinemaxX 8, 13.00 Uhr

 

 

Verrücktes Blut

Interview MALADIES

Filmclip II MALADIES

James, Catherine und Patricia. Ein Haus am Strand, irgendwo in der Nähe von New York im Jahr 1963. Ein Nachbar, der ab und an zu Besuch kommt, weil er eine Schwäche für James hat. James’ großkariertes Jackett, seine Kamera, sein unvollendeter Roman, Catherines Bilder, ihre Herrenanzüge, Patricias Zigaretten: Carter hat einen zärtlichen, assoziativen Film über die Freundschaft dreier Außenseiter gemacht. James war ein erfolgreicher Seriendarsteller, eine mögliche Geisteskrankheit ließ ihn den Job aufgeben, seine Schwester Patricia redet kaum und lebt in ihrer eigenen Welt, die fürsorgliche Malerin Catherine ist Crossdresserin und geht gern in Herrenklamotten Kaffee trinken.

MALADIES ist eine sensible Erforschung der Wahrnehmung, die Kreativität und bildende Kunst, innere und äußere Stimmen.

Kino International, 14.00 Uhr

Ein kleiner schritt für einen Menschen...

1951 sucht die New Yorker Dichterin Elizabeth Bishop neue Inspiration für ihre Lyrik. Sie reist nach Rio de Janeiro und besucht dort ihre Studienfreundin Mary. Sie ist das ganze Gegenteil von Marys schneidiger Lebensgefährtin, der Architektin Lota de Macedo Soares. Deren anfängliche Ablehnung schlägt bald in offene Avancen um. Als sich Elizabeths geplante Abreise unerwartet verzögert, gibt sie Lotas Drängen nach. Mary ist eifersüchtig, aber die unkonventionelle Lota will um jeden Preis beide Frauen. Die Ménage-à-trois gerät aus dem Gleichgewicht, als Lota ihr größtes Werk beginnt, die Gestaltung des Parque do Flamengo in Rio.

Die Dreiecksgeschichte REACHING FOR THE MOON, befeuert durch einen zerstörerischen Alkoholkonsum, entspinnt sich vor dem Hintergrund des Militärputsches 1964. Bishops berührende Gedichte stehen im Zentrum; die so wichtige Phase im Leben der einflussreichen Lyrikerin und Pulitzer-Preisträgerin wird opulent illustriert.

CineStar Event, 22.00 Uhr

 

Verloren in China

THE RUNAWAY TROP OF THE CARTESIAN THEATRE: Eine Person unbestimmten Geschlechts und Herkunft wird von einer deutschen Kulturinstitution in eine Stadt in China geschickt und erlebt dort wie ihr/e Geliebete/r Opfer einer schrecklichen Verschwörung wird.

Kino Arsenal 1, 15.30 Uhr

Im Dunkeln

NOT BLACKING OUT, JUST TURNING THE LIGHTS OFF: Eine Untersuchung der Rolle, die Intimität im Verhältnis zu Begehren und physischer Nähe spielt. Bilder und Töne als Platzhalter für den flüssigen, porösen Körper – innen und außen zugleich – changierend zwischen sinnlichem Bild und dessen Abstraktion.

Kino Arsenal 1, 15:30 Uhr

Mach disch nagisch

 

TA AV MIG (UNDRESS ME): Es ist Nacht. Zwei begegnen sich, Mann und Frau. Über und vor allem ist die Anziehung zu spüren. Die Anziehung, die Lust zu küssen, die Lust auf mehr. Er streichelt sie, will sie küssen. "Du bist die erste, die größer ist als ich und eine tiefere Stimme hat als ich." – "Ich habe mich operieren lassen, vor drei Jahren." Ansicht und Blick werden sich abwechseln in dieser Nacht. Alle Lust sucht sich ihren Weg. Wer kreiert wen und was bleibt?
 
CinemaxX 5, 16.00 Uhr

Schwarz, schwul und Hustler

"What I really want to do is what I am doing now: perform", so Jason Holliday in "seinem" Porträt. Jason, schwarz, schwul und ein selbsterklärter Hustler, inszeniert sich, wird inszeniert, erzählt, erfindet, gesteht, behauptet und fordert heraus: die Kamera, das Filmteam und uns, die Zuschauer, mit unseren Vorstellungen von Identität und Wahrheit. In der Rezeption des Films wurde stets darauf hingewiesen, dass er weder als Dokumentarfilm, Phantasmagorie, Casting- oder Interviewaufnahme kategorisierbar sei.

PORTRAIT OF JASON ist all das, und doch etwas anderes, ein exzessiver Dialog mit Kamera und Publikum. Nach seinem Anfangserfolg und Verleih durch die Filmmakers Coop war er nur als VHS, seit 2006 auch als DVD im Umlauf, die mit dem spekulativen Hinweis versehen publiziert wurde, dass die Unverfügbarkeit des Films als materialer Ausdruck seiner kategorialen Uneindeutigkeit zu verstehen sein könnte.

Delphi Filmpalast, 16.00 Uhr

 

Gentrifizierung in New York

1989 mietete und renovierte Su Friedrich mit Freundinnen eine alte Industrieetage in Williamsburg, einem bescheidenen Brooklyner Arbeiterviertel. 2005 wurde das ehemalige Industriegebiet als reines Wohngebiet ausgewiesen. Die produzierenden Betriebe, Handwerker und Künstlerlofts wurden von Bauspekulanten verdrängt, die man mit Steuergeschenken angelockt hatte. Über fünf Jahre dokumentierte Friedrich den Wandel in der Gegend zwischen East River und Brooklyn-Queens Expressway mit ihrer Kamera.

Die Dokumentation GUT RENOVATION kleiner Veränderungen wird zu einem Stück Geschichtsschreibung in New York. Ein wehmütiger, essayistischer Abgesang auf ein Stadtviertel und einen Lebensstil, aber auch eine Fallstudie zur galoppierenden Gentrifizierung in den Städten.

CineStar 7, 17.00 Uhr

Out in Ostberlin

Im Gegensatz zur Bundesrepublik entkriminalisierte das Strafgesetzbuch der DDR Homosexualität schon 1968. Doch der Arbeiter- und Bauernstaat nahm seine schwulen und lesbischen BürgerInnen keineswegs mit offenen Armen auf, ihre Sexualität wurde zum Tabu und sie wurden aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit gedrängt. Die "verzauberte" Kriegsgeneration fühlte sich in ihrem Streben nach unauffälliger Normalität provoziert von den Jüngeren, die sich outeten und offen Freiräume einforderten. 13 berührende Einzelschicksale verdeutlichen die privaten und politischen Entwicklungen, die zur Opposition gegen den Staatsapparat führten.

Die Gründer der Ost-Berliner LGBT-Bewegung, die "Terrorlesben" aus dem Prenzlauer Berg, kommunistische Schwule und Kirchengruppen - sie alle wollten eine Veränderung des Systems und hofften auf mehr Offenheit im Umgang mit ihrer Sexualität: OUT IN OST-BERLIN.

CineStar 3, 17.45 Uhr

Fado deluxe

GADO BRAVO: In Lissabon hat die deutsche Sängerin Nina unliebsame Bekanntschaft mit dem gefeierten Stierkämpfer Garrido gemacht, als der ihr nämlich durch sein bloßes Erscheinen im Nachtlokal die Schau stahl. Auf den Ländereien des Toreros, wo dieser Pferde- und Viehzucht betreibt, treffen sie sich wieder: Für Nina ist es Liebe auf den zweiten Blick. Doch sieht es lange so aus, als würde Garrido sie nicht erwidern. Denn eine einheimische Schöne hat dem Edelmann bereits ihr Herz geschenkt…

Zeughauskino, 17.00 Uhr

I do it my way

Wie überall auf der Welt flüchten sich auch in Kamerun Schwule und Lesben in den Schutz der Stadt. Zwei junge schwule Männer schwärmen für Rihanna und Lady Gaga, die mit ihrem Hit "Born this way" zur Schwulenikone wurde. Doch von der Toleranz, von der Lady Gaga singt, können die beiden nur träumen: In ihrer Heimat, in der gleichgeschlechtlicher Sex mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft wird, ist ein Outing vor der Familie nahezu unmöglich.

Nach CALL ME KUCHU (TEDDY AWARD 2012) , der die Situation von Homosexuellen in Uganda dokumentierte, verdeutlicht BORN THIS WAY, wie lange der weltweite Kampf um Toleranz und Gleichberechtigung dauern wird.

Cubix 7 7, 17.30 Uhr

Filmclip BORN THIS WAY

DAs allererste Mal

 

FÖRSTA GÅNGEN (FIRST TIME): Das erste Mal kann ganz schön schwierig sein. Alex nähert sich Sofia mit einem Scherz, den sie gar nicht witzig findet. Trotzdem gehen sie zusammen weg. Ein erster ungeschickter Kuss, sie legen sich ins Gras, Reißverschlüsse werden geöffnet. Sie wollen beide, dass etwas passiert, aber es will einfach nicht klappen. Alles halb so schlimm, finden sie. Aber was erzählt man jetzt den anderen?

Haus der Kulturen der Welt 2, 8.15 pm

Eine Last zu tragen

O PACOTE (THE PACKAGE): In seiner neuen Schule trifft Leandro den temperamentvollen Jefferson. Die beiden mögen sich auf Anhieb. Bald ist klar, dass sie mehr als nur Freundschaft verbinden wird. Aber Jefferson muss noch etwas loswerden, und leicht fällt ihm das nicht. Leandro fragt noch einmal nach, er hofft auf einen dummen Scherz. Doch Jeff sieht nicht so aus, als ob er scherzt. Wenn sie zusammen sein wollen, gehört etwas Unabänderliches zum Gesamtpaket: Jeff ist HIV-positiv.

Haus der Kulturen der Welt 2, 20.15 Uhr

Strangers in the night

 

 

Won-gyu ist Flugbegleiter und ständig unterwegs. Tae-jun ist Motorradbote und lebt mehr oder weniger auf der Straße. Zwei Männer. Zwei Jobs, die sie immer auf Tour sein lassen. Zwei Leben, die aus flüchtigen Momenten bestehen. Die beiden lernen sich übers Internet kennen und verabreden sich. Sie haben nur wenige Stunden. Dass Won-gyu eigentlich nie mehr nach Seoul zurückkehren wollte, weil er eine traurige, wütende Erinnerung mit der Stadt verbindet, legt sich wie ein Schatten über das Treffen.  Beide begeben sich an den Ort, an dem vor längerer Zeit ein brutaler Angriff auf Schwule stattfand.

BAEK YA (WHITE NIGHT) ist ein von Wut und Sehnsucht geprägter Streifzug durch eine Stadt, in der längst nicht jeder sein Leben, seine Liebe leben darf. Und für einen kurzen, aber schönen Moment lässt wenigstens dieser Film die beiden einfach miteinander sein.

CinemaxX 7, 21.30 Uhr

Queer Revolution

William Friedkins Film CRUISING sorgte 1980 nicht nur bei seiner Präsentation im Wettbewerb der Berlinale für heftige Kontroversen. Dem Film, in dem Al Pacino einen Undercover-Polizisten spielt, der in der schwulen Lederszene ermittelt, wurde von schwulen Aktivisten vorgeworfen, er schüre homophobe Stereotypen. Um eine Altersbeschränkung zu umgehen, wurde der Film außerdem um 40 womöglich zu explizite Minuten beschnitten. Der Oscar-nominierte Schauspieler James Franco hat es sich in Zusammenarbeit mit Travis Mathews zum Konzept gemacht, diese mittlerweile verschollenen und dadurch zum Mythos gewordenen 40 Minuten zu reinszenieren.

Im Grenzgebiet zwischen Realität und Fiktion erforscht INTERIOR LEATHER BAR die Mechanismen der Homophobie in Hollywood und hinterfragt gängige Klischees.

Colosseum 1, 22.30 Uhr

 

Nicht der REgisseur ist pervers, sonern die Situation in der er dreht

Auf den ersten Blick haben sie nichts miteinander zu tun, die fünf Regisseure, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch schaut man auf ihre Biografien, so entdeckt man einen Namen, der sie alle verbindet: Rosa von Praunheim. Anlässlich seines 70. Geburtstags drehten die ROSAKINDER, wie sie sich selbst nennen, eine Hommage an Praunheim.

Kino International, 22.30 Uhr

Concussion

CONCUSSION: Abby ist 42, verheiratet, gut situiert, lesbisch, hat mit ihrer Frau zwei Kinder – ein echtes Familienidyll. Sie beginnt ein Renovierungsprojekt in der nahen Großstadt und verlässt schließlich nicht nur den aufgeräumten Vorort, sondern auch den vorgezeichneten Weg: Nachdem sie zweimal mit Prostituierten Sex gehabt hat, beginnt sie selbst für die vermutlich unwahrscheinlichste Zuhälterin der Filmgeschichte zu arbeiten - nur für Frauen, versteht sich.

New New Queer Cinema: die Frauen werden älter, die Themen erwachsener, aufgeräumter. Oder eben gerade doch nicht? Stacie Passons erster langer Spielfilm wurde von Rose Troche produziert, der Regisseurin von GO FISH, einem lesbischen Klassiker des New Queer Cinema und TEDDY-Gewinner 1994.

CineStar 3, 22.45 Uhr