Augen in der Großstadt

Ein Blick. Ein Gefühl, das Kribbeln im Bauch, der Herzschlag, schneller, lauter, spürbar. Das Blut, das in den Kopf fließt, die Nackenhaare, die sich aufstellen, die Knie, die weich werden. Die Welt, wie wir sie noch nie gesehen haben, Farben, Formen – frisch, ungesehen, unberührt. Szenen von Ehen, Lieben, Leid und Schmerz. Menschen aus aller Welt vereint in ihrer Sehnsucht nach Leben.

Wenn ein Blick mehr als tausend Worte sagt, dann muss es TEDDY sein, denn heute gibt es wieder was für eure Augen: Sowohl Bambi als auch Fifi, jede Menge verrücktes Blut und heiße Wallungen sowie eine queere Revolution haben wir heute für euch im Programm!

 

Verrücktes Blut

James, Catherine und Patricia. Ein Haus am Strand, irgendwo in der Nähe von New York im Jahr 1963. Ein Nachbar, der ab und an zu Besuch kommt, weil er eine Schwäche für James hat. James’ großkariertes Jackett, seine Kamera, sein unvollendeter Roman, Catherines Bilder, ihre Herrenanzüge, Patricias Zigaretten: Carter hat einen zärtlichen, assoziativen Film über die Freundschaft dreier Außenseiter gemacht. James war ein erfolgreicher Seriendarsteller, eine mögliche Geisteskrankheit ließ ihn den Job aufgeben, seine Schwester Patricia redet kaum und lebt in ihrer eigenen Welt, die fürsorgliche Malerin Catherine ist Crossdresserin und geht gern in Herrenklamotten Kaffee trinken.

MALADIES ist eine sensible Erforschung der Wahrnehmung, die Kreativität und bildende Kunst, innere und äußere Stimmen, Eindrücke und Einbildungen genauso ernst nimmt, wie sie auf die Beteiligten wirken. Mit hingebungsvollen Schauspielern und gewagten Erzählstrukturen gelingt dem Regisseur das Porträt einer Beziehung, das gleichzeitig den Umgang mit echten oder vermeintlichen Geisteskrankheiten zu diesen Zeiten verhandelt.

CinemaxX 7, 10.00 Uhr

Filmclip I MALADIES

 

Filmclip II MALADIES

Glaube, Liebe, Tod

 

 

Ein alter Mann liegt im Sterben. Der Pfleger Noel wacht ruhig an seiner Seite. Dina, die Enkelin des Alten, kommt dazu. Sie trägt ein Tierkostüm, holt etwas aus dem Kühlschrank und geht gleich wieder, um sich mit Freunden zu amüsieren. Als sie spät in der Nacht zurückkommt, ist der Großvater tot. Liebevoll streicheln Dina und Noel seine Hände, kämmen sein Haar, decken ihn zu, rauchen eine Zigarette, tauschen ein Lachen aus und gehen hinaus in die nächtliche Stadt. Laute Elektromusik empfängt sie im Club. Mit der aufgehenden Sonne erfolgt der reinigende Sprung ins klare Wasser des Meeres. Eine Nacht des Abschieds, die auch ein Anfang ist.

Ungewöhnlich in seinen filmischen Mitteln, transportiert DINA UND NOEL das Lebensgefühl junger Menschen in Israel.

Haus der Kulturen der Welt 2, 11.00 Uhr

Don Giovanni di Lëtzebuerg

Marc ist ein wohlhabender Mann, der angesichts einer unheilbaren Krankheit noch einmal aus dem Vollen schöpft. Neben seinem geregelten Dasein als Personalchef in Luxemburg lebt er gemeinsam mit jungen „Begleitern“ ein ausschweifendes Leben in den Luxushotels diverser Städte, deren Opernhäuser Mozarts „Don Giovanni“ spielen. In opulenten Bildern folgt der Film Marc auf seinen Reisen, zeigt ihn bei Arztbesuchen und lässt ihn seine Lebensphilosophie unterbreiten, die auf Macht, Geld und der Kontrolle über sich und andere beruht. Doch sein Leben gerät ins Wanken, als er sich in einen Pornodarsteller verliebt und ihm in die Welt des Berliner HustlaBalls folgt.

Mit Sinn für das Skurrile zeichnet Angela Christlieb in NAKED OPERA das intime Porträt eines Menschen, der trotz oder gerade wegen seiner Gegensätze liebenswert und verletzlich erscheint. urch die spürbare Präsenz der Filmemacherin hinter der Kamera wird fast nebenbei ein grundlegendes Thema des Dokumentarfilms mitverhandelt: die Beziehung zwischen Regisseur und Protagonist.

CineStar 7, 12.00 Uhr

Interview NAKED OPERA

 

Führe uns nicht in versuchung

Filmclip I LA RELIGIEUSE

 

Filmclip II LA RELIGIEUSE

Suzanne Simonin erzählt in Briefen ihre Lebens- und Leidensgeschichte: Als junge Frau wird sie von den Eltern gegen ihren Willen in ein Kloster gebracht. Sie soll Ordensschwester werden, da für eine standesgemäße Heirat die nötigen finanziellen Mittel fehlen. Obwohl sie von einer gütigen und verständnisvollen Oberin in den klösterlichen Alltag eingeführt wird, bleibt ihr Freiheitsdrang bestehen. Als die Oberin stirbt, sieht sich Suzanne mit den Repressalien, Demütigungen und Schikanen der neuen Äbtissin und ihrer Mitschwestern konfrontiert. Für lange Zeit wird Suzanne Bigotterie und religiösen Fanatismus am eigenen Leib erfahren.

Denis Diderots Roman LA RELIGIEUSE (THE NUN) wurde bereits mehrmals verfilmt. Guillaume Nicloux konzentriert sich auf das Schicksal einer jungen Frau und auf ihren Kampf gegen ein unerbittliches System, das den Einzelnen zermalmt. Sein Film löst sich zunehmend aus den konkreten Umständen und wird zum zeitlosen Drama.

Friedrichstadt Palast, 12.00 Uhr

Haus der Berliner Festspiele, 20.00 Uhr

Die Einsamkeit ist wie ein Regen

Eine Österreicherin muss seit der Abschiebung ihres Ehemanns nach Afrika allein mit ihren Kindern leben. Andere berichten vom langen Warten auf den Aufenthaltstitel, vom Kampf mit Papieren und Ämtern, von Deutschkursen, Einkommensnachweisen und häuslichen Kontrollen der Polizei, die eine Scheinehe unterstellt. Die komplizierte, vom Staat stark reglementierte Lebensrealität verschiedener binationaler Paare ist Grundlage des politischen Dokumentarfilms DIE 727 TAGE OHNE KARAMO mit ungewöhnlicher Form.

Entlang eines gelben Fadens entwickelt sich aus den einzelnen persönlichen Beiträgen eine durchgängige dokumentarische Erzählung über die Konfrontation der Liebe mit den Gesetzen des restriktiven Ausländerrechts. Es ist eine Geschichte vom Wahnsinn, der Methode hat.

Arsenal 1, 12.00 Uhr

 

 

Liebe auf dem Land

In BOVEN IS HET STILL (IT’S ALL SO QUIET) bewirtschaftet der alleinstehende 55-jährige Helmer einen abgelegenen Bauernhof und versorgt seinen entkräfteten Vater. Ihr Verhältnis ist spröde und wortkarg. Als der Vater dem Sterben immer näher kommt, schiebt ihn Helmer ins obere Stockwerk ab.  Er streicht das Zimmer seines verstorbenen Bruders und quartiert dort Henk ein, einen 18-jährigen Hilfsarbeiter. So will er seinem Vater gegenüber Stellung beziehen. Aber die unerfüllten Erwartungen des Vaters stehen jeder möglichen Empfindung Helmers im Weg. Henk dagegen begegnet Helmers überschatteten Gefühlen mit ergebener Offenheit. Und auch der Milchfahrer gibt sein Werben nicht auf.

Aus eindrucksvollen, nüchtern beobachtenden Bildern webt Nanouk Leopold in ihrem neuen Film eine beharrliche atmosphärische Stille und durchleuchtet damit den Seelenraum ihres Protagonisten und seinen inneren Aufbruch in ein neues Selbstbewusstsein.

CineStar 7, 12.00 Uhr

Tief im Dunklen Wald

Eine einsame Bushaltestelle, ein Trompete spielender Pfadfinder, eine Frau, die sich weigert, ihm für seine schiefen Töne Geld zu geben: Mit dieser Eröffnung gibt der Film VIC + FLO ONT VU UN OURS (VIC + FLO SAW A BEAR) seinen lakonischen Tonfall vor. Erzählt wird die Geschichte von Vic, einer aus dem Gefängnis entlassenen Frau, die nach Ruhe sucht. In den Wäldern Kanadas quartiert sie sich im Haus eines Verwandten ein. Dort bekommt sie Besuch von ihrer Geliebten Flo.  Es mehren sich jedoch  die Zeichen einer heraufziehenden Bedrohung. Selbst der Wald wartet mit heimtückischen Fallen auf.

Seltsame Figuren, skurrile Regieeinfälle und eine mysteriöse Atmosphäre - der Filmkritiker, Dokumentar- und Spielfilmregisseur Denis Côté erschafft eine Kunstwelt, die ihre ganz eigene, völlig unberechenbare Wirklichkeit entwickelt.

Friedrichstadt Palast, 14.00 Uhr

Haus der Berliner Festspiele, 22.45 Uhr

 

Kunst an der Copacabana

Der Film HÉLIO OITICICA (1937-1980) widmet sich einem der bedeutendsten brasilianischen Künstler des 20. Jahrhunderts und dem Onkel des Regisseurs der Produktion. Der Film verzichtet auf Kommentar und Interviews und lässt stattdessen in Film- und Tonarchivaufnahmen Oiticica selbst zu Wort kommen. Aus den Zeugnissen des Künstlers erfahren wir so etwas über Oiticicas künstlerische Entwicklung und seine umfassenden politischen und ästhetischen Interessen.

Entstanden ist so das gewagte und komplexe Porträt eines Künstlers, bei dem Arbeit und Leben (Homosexualität und Drogen eingeschlossen) einander bedingen und verwandeln.

Der Hamburger Bahnhof zeigt zudem Werke des Künslters.

Delphi Filmpalast, 16:45 Uhr

The art is a lonely hunter

Bahman Mohassess war zur Zeit des Schahs ein bekannter Künstler. In Italien ausgebildet, schuf er in seiner Heimat Skulpturen und Bilder. Seine meist nackten Bronzefiguren mit deutlich betonten Phalli erregten Anstoß, und seine Werke wurden vielfach zensiert. Nach der Revolution verlor sich seine Spur, es hieß, er hätte seine restlichen Bilder selbst zerstört und sei verschwunden.

In FIFI AZ KHOSHALI ZOOZE MIKESHAD (FIFI HOWLS WITH THE WIND) Mitra Farahani, die ihre Karriere als Malerin begann, findet Mohassess in einem Hotel bei Rom. Ihr Interesse an seinem Leben schmeichelt dem alten Mann, der jedoch bald klare Vorstellungen davon hat, wie seine Worte und sein Leben illustriert werden sollen. Sein unerschütterlicher Humor ist indessen ansteckend, sein kritischer Geist fasziniert. Fast beiläufig werden seine Ansichten zu Kunst und Homosexualität zum Thema.

CineStar 7, 17.00 Uhr

 

 

Wovon lebt eigentlich Peter?

Weil sie die Miete nicht bezahlen können, werden Eva und ihr Großvater obdachlos. Das junge Mädchen versucht sich daraufhin als Straßenmusikantin, bis ein flüchtiger Dieb sie zum Kleidertausch zwingt. Auf diese Weise zum Jungen gemacht, landet Eva, die sich nun Peter nennt, nach einem Verkehrsunfall vor Gericht.

Mit PETER begibt sich eine anerkannte Instanz für Sozialkritik ins Exil: die Depressionskomödie. Und indem das freche Lust-Spiel mit zwei sich küssenden Frackträgern das geschlechtlich Doppeldeutige zu einem neuen Höhepunkt treibt, schließt sich ihr die Genderkomödie unmittelbar an.

Zeughaus Kino, 17.00 Uhr

Die Sexualität ist ein scheues Reh

Bambi wurde 1935 in einem kleinen algerischen Dorf unter dem Namen Jean-Pierre Pruvot geboren. Schon als Kind zog sie sich vor den Erwartungen ihrer Großfamilie zurück und suchte nach einem Weg, die Frau zu werden, die sie innerlich schon immer war. Eine Vorstellung des berühmten Cabarets Carrousel de Paris in Algier ermutigte sie in den Fünfzigerjahren, in die französische Hauptstadt auszuwandern und dort auf den Music-Hall-Bühnen unter dem Künstlernamen BAMBI das ersehnte Leben zu führen.

Eindrucksvoll sensibel dokumentieren Collagen von Fotos und Chansons, Archivbildern, Spielfilmauftritten, Super8-Szenen und eine Reise an die Orte ihrer Kindheit, Bambis befreiende Wandlung zu einer strahlenden transsexuellen Frau: ihre erste Liebe, die Freundschaft mit ihrer Künstlerkollegin Coccinelle, Experimente mit Hormonen, Rivalitäten und Skandale, ihr Weg zur Literatur - und die überraschende Begegnung mit der Liebe ihres Lebens.

CineStar 7, 20.00 Uhr

 

Spiegel Blicke

 

Interview DESHORA

 

Filmclip DESHORA

In DESHORA (BELATED) hängen die Wolken schwer über den Tabakfeldern im Gebirgsdschungel des Nordwestens von Argentinien. Hier, fern der Großstadt, leben Ernesto und Helena. Die beiden wünschen sich Kinder, doch ihre Leidenschaft ist verblasst. Eines Tages kommt Helenas Cousin Joaquín zu ihnen, der gerade einen Drogenentzug hinter sich hat. Die Männer gehen in den Wäldern jagen, zur Feldarbeit oder besuchen Hahnenkämpfe. Dabei kommen sie sich näher, als sie wahrhaben wollen. Es entsteht eine Dynamik, die niemand kontrollieren kann. Alle verleugnen sie ihre Gefühle und die körperliche Anziehung, die sie füreinander empfinden. Das nicht gelebte Begehren sucht sich jedoch seine eigenen, unberechenbaren Wege.

Cubix 7&8, 20.15 Uhr

Ein kleiner schritt für einen Menschen...

1951 sucht die New Yorker Dichterin Elizabeth Bishop neue Inspiration für ihre Lyrik. Sie reist nach Rio de Janeiro und besucht dort ihre Studienfreundin Mary. Sie ist das ganze Gegenteil von Marys schneidiger Lebensgefährtin, der Architektin Lota de Macedo Soares. Deren anfängliche Ablehnung schlägt bald in offene Avancen um. Als sich Elizabeths geplante Abreise unerwartet verzögert, gibt sie Lotas Drängen nach. Mary ist eifersüchtig, aber die unkonventionelle Lota will um jeden Preis beide Frauen. Die Ménage-à-trois gerät aus dem Gleichgewicht, als Lota ihr größtes Werk beginnt, die Gestaltung des Parque do Flamengo in Rio.

Die Dreiecksgeschichte REACHING FOR THE MOON, befeuert durch einen zerstörerischen Alkoholkonsum, entspinnt sich vor dem Hintergrund des Militärputsches 1964. Bishops berührende Gedichte stehen im Zentrum; die so wichtige Phase im Leben der einflussreichen Lyrikerin und Pulitzer-Preisträgerin wird opulent illustriert.

Friedrichstadt Palast, 21.00 Uhr

 

Queer Revolution

 

William Friedkins Film CRUISING sorgte 1980 nicht nur bei seiner Präsentation im Wettbewerb der Berlinale für heftige Kontroversen. Dem Film, in dem Al Pacino einen Undercover-Polizisten spielt, der in der schwulen Lederszene ermittelt, wurde von schwulen Aktivisten vorgeworfen, er schüre homophobe Stereotypen. Um eine Altersbeschränkung zu umgehen, wurde der Film außerdem um 40 womöglich zu explizite Minuten beschnitten. Der Oscar-nominierte Schauspieler James Franco hat es sich in Zusammenarbeit mit Travis Mathews zum Konzept gemacht, diese mittlerweile verschollenen und dadurch zum Mythos gewordenen 40 Minuten zu reinszenieren.

Im Grenzgebiet zwischen Realität und Fiktion erforscht INTERIOR LEATHER BAR die Mechanismen der Homophobie in Hollywood und hinterfragt gängige Klischees.

CinemaxX 7, 21.30

Nobody's perfect

SOME LIKE IT HOT (MANCHE MÖGENS HEISS): Nachdem die stellungslosen Jazz-Musiker Joe und Jerry zufällig Augenzeugen einer blutigen Abrechnung unter Gangstern geworden sind, tauchen sie – als Frauen verkleidet – bei einer Damenkapelle unter. Dort versucht »Josephine« die Sängerin Sugar zu verführen, während sein Kumpel »Daphne« das Begehren des Millionärs Osgood Fielding III weckt. Als mit Spats Colombo der Verantwortliche für das Massaker in Miami eintrifft, zwingt dies die »Mädels« erneut zur Flucht…

CinemaxX 8, 21.30 Uhr

Im Bauch des Wals

 

Machi, Tomohiko und Hotaru besuchen gemeinsam die Highschool. Machi vermisst ihren vor sechs Jahren verschwundenen älteren Bruder. Das Trio nimmt seine Fährte auf, die zunächst nach Tokio und dann übers Meer führt.

Zusammen bilden die beiden Mädchen und der Junge in dem Film KUJIRA NO MACHI (THE TOWN OF WHALES) ein fragiles Liebesdreieck. Es ist ein Spiel der Anziehung und Abgrenzung, der Nähe und Distanz. Allein die Momente zählen, jeder von besonderer Bedeutung.

CineStar 8, 22.00 Uhr