Jean Marais

Zwei Männer in sinnlicher Zärtlichkeit aneinander geschmiegt – auf den ersten Blick. Doch was wir sehen sind ein Mann und sein Spiegelbild. Was wir sehen ist Jean Marais in Jean Cocteaus ORPHÉE, wie er sein Abbild liebkost. Ein Mann in inniger Liebe zu seinem Spiegelbild, zu sich selbst. Eine Szene voller Spiegelnarzissmus und Homo-Autoerotik. Eine Schlüsselszene des Kinos, eingegangen in den Bilderkanon, unzählige Male in Filmen zitiert. Dieses Bild ziert in diesem Jahr das Plakat des TEDDY AWARDS und wurde von dem Berliner Künstler Rinaldo Hopf entworfen. Es steht stellvertretend für die Queer Family, für unsere Ahnengalerie homo-, bi- und intersexueller sowie trans* Menschen. Dieses Album wird nie abgeschlossen, sondern auch heute wieder fortgesetzt mit Geschichten über und Bildern von poetischer Liebe in Brasilien, Selbstfindung in Taiwan, Sehnsucht in Afrika und Einsamkeit in Israel.

Außerdem gibt es heute die ersten Interviews des diesjährigen TEDDYS mit den Machern von DESHORA und NAKED OPERA.

 

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes

Adam, ein katholischer Priester, der erst im Alter von 21 Jahren seine Berufung als Diener Gottes entdeckt hat, lebt in einem Dorf in der polnischen Provinz und hat dort vor allem mit schwer erziehbaren Heranwachsenden zu tun. Die eindeutigen Avancen von Ewa lehnt er mit den Worten ab, er sei schon vergeben. Doch es ist nicht nur dem Zölibat geschuldet, dass er ihre Leidenschaft nicht erwidert. Adam weiß, dass er Männer liebt und die Hinwendung zum Priesterberuf auch eine Flucht vor der eigenen Sexualität gewesen ist. Als er Łukasz begegnet, dem merkwürdigen, schweigsamen Sohn einer einfachen Landfamilie, fällt ihm die selbst gewählte Enthaltsamkeit immer schwerer.

Mit ihrem bildgewaltigen, mit Symbolen aus der Passionsgeschichte aufgeladenen Film W IMIĘ... (IN THE NAME OF...) wagt sich Małgośka Szumowska an das weitgehend tabuisierte Thema der Homosexualität unter Priestern. Ein Film über die Verwirrung der Gefühle, Verdrängung und Einsamkeit – und die Möglichkeit, vielleicht doch zu sich selbst zu finden.

Haus der Berliner Festspiele, 9.15 Uhr

Friedrichstadt Palast, 9.30 Uhr

Kino International, 22:30 Uhr

 

 

 

Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren

 

 

 

Im Berlin der frühen Dreißigerjahre verliebt sich der Literat Brian Roberts in die Tingeltangel-Sängerin Sally Bowles. Die lebenslustige Amerikanerin macht den steifen Briten mit dem Nachtleben der Reichshauptstadt bekannt. Die Beziehung wird auf eine Probe gestellt, als sie Maximilian von Heune kennenlernen und Sally sich mit ihm einlässt. Aber nicht nur sie…
 
CABARET, der mit acht Oscars honorierten Verfilmung eines Broadway-Musicals liegen Erinnerungen des Schriftstellers Christopher Isherwood zugrunde. Ihre Darstellung des Vorkriegsberlins als verrucht, promisk und dekadent war international stilprägend.
 
Kino International, 11.00 Uhr

Stehen bleiben, Polizei

Als er auf einer Fortbildung den Polizeikollegen Kay (Max Riemelt) kennenlernt und beginnt, Gefühle für ihn zu entwickeln, wird Marc in seinen Grundfesten erschüttert. Und als Kay sich in seine Hundertschaft versetzen lässt, droht Marcs überschaubares, geregeltes Leben im Chaos zu versinken. Hin und her gerissen zwischen der Liebe zu seiner schwangeren Freundin Bettina (Katharina Schüttler) und dem Rausch der neuen Erfahrung, verliert er zusehends die Kontrolle. Seine Familie wird ihm immer fremder, doch mit Kay abzuhauen, kommt für ihn auch nicht in Frage.

Als Kay eines Tages ohne Ankündigung und mit unbekanntem Ziel von der Bildfläche verschwindet, beginnt Marc zu realisieren, was für ein Loch dieser Verlust in sein Leben reißt. Im FREIEN FALL kann er es niemandem mehr recht machen. Am wenigsten sich selbst.

Colosseum 1, 13.00 Uhr

CinemaxX 1, 20:30 Uhr

 

Don Giovanni di Lëtzebuerg

Interview NAKED OPERA

 

Marc ist ein wohlhabender Mann, der angesichts einer unheilbaren Krankheit noch einmal aus dem Vollen schöpft. Neben seinem geregelten Dasein als Personalchef in Luxemburg lebt er gemeinsam mit jungen „Begleitern“ ein ausschweifendes Leben in den Luxushotels diverser Städte, deren Opernhäuser Mozarts „Don Giovanni“ spielen.

Mit Sinn für das Skurrile zeichnet Angela Christlieb in NAKED OPERA das intime Porträt eines Menschen, der trotz oder gerade wegen seiner Gegensätze liebenswert und verletzlich erscheint. Durch die spürbare Präsenz der Filmemacherin hinter der Kamera wird fast nebenbei ein grundlegendes Thema des Dokumentarfilms mitverhandelt: die Beziehung zwischen Regisseur und Protagonist.

Colosseum 1, 15.30 Uhr

Ein kleiner schritt für einen Menschen...

1951 sucht die New Yorker Dichterin Elizabeth Bishop neue Inspiration für ihre Lyrik. Sie reist nach Rio de Janeiro und besucht dort ihre Studienfreundin Mary. Sie ist das ganze Gegenteil von Marys schneidiger Lebensgefährtin, der Architektin Lota de Macedo Soares. Deren anfängliche Ablehnung schlägt bald in offene Avancen um. Als sich Elizabeths geplante Abreise unerwartet verzögert, gibt sie Lotas Drängen nach. Mary ist eifersüchtig, aber die unkonventionelle Lota will um jeden Preis beide Frauen. Die Ménage-à-trois gerät aus dem Gleichgewicht, als Lota ihr größtes Werk beginnt, die Gestaltung des Parque do Flamengo in Rio.

Die Dreiecksgeschichte REACHING FOR THE MOON, befeuert durch einen zerstörerischen Alkoholkonsum, entspinnt sich vor dem Hintergrund des Militärputsches 1964. Bishops berührende Gedichte stehen im Zentrum; die so wichtige Phase im Leben der einflussreichen Lyrikerin und Pulitzer-Preisträgerin wird opulent illustriert.

Cubix 9, 17.00 Uhr

 

 

 

Wovon lebt eigentlich Peter?

 

Weil sie die Miete nicht bezahlen können, werden Eva und ihr Großvater obdachlos. Das junge Mädchen versucht sich daraufhin als Straßenmusikantin, bis ein flüchtiger Dieb sie zum Kleidertausch zwingt. Auf diese Weise zum Jungen gemacht, landet Eva, die sich nun Peter nennt, nach einem Verkehrsunfall vor Gericht.

Mit PETER begibt sich eine anerkannte Instanz für Sozialkritik ins Exil: die Depressionskomödie. Und indem das freche Lust-Spiel mit zwei sich küssenden Frackträgern das geschlechtlich Doppeldeutige zu einem neuen Höhepunkt treibt, schließt sich ihr die Genderkomödie unmittelbar an.

CinemaxX 8, 19.00 Uhr

Amélie aus Taiwan

 

Seit neun Jahren ist der introvertierte Weichung mit Feng verheiratet. Sie haben einen gemeinsamen Sohn, und Feng möchte noch ein weiteres Kind mit ihm. Eines Tages taucht Stephen auf, ein Freund aus alten Zeiten, der Hochzeitsveranstaltungen ausrichtet, und ermutigt Weichung, sein vergangenes schwules Leben wieder aufzunehmen. Weichung möchte seine Frau Feng jedoch nicht verlieren und beginnt nur zögernd, hinter ihrem Rücken einen Flugbegleiter zu treffen.

Mit spielerischem Charme bringt Chen Arvin in seinem Film WILL YOU STILL LOVE ME TOMORROW? Partnerschaftsvorstellungen ins Wanken. Komödiantisch öffnet er die Grenzen der Kleinfamilie und integriert sie in eine vielfältige Gemeinschaft, in der Unabhängigkeit und Bindung, Freundschaft und sexuelle Erfüllung ihre Balance finden.

CineStar Even, 19.30 Uhr

 

I do it my way

 

 

Wie überall auf der Welt flüchten sich auch in Kamerun Schwule und Lesben in den Schutz der Stadt. Zwei junge schwule Männer schwärmen für Rihanna und Lady Gaga, die mit ihrem Hit "Born this way" zur Schwulenikone wurde. Doch von der Toleranz, von der Lady Gaga singt, können die beiden nur träumen: In ihrer Heimat, in der gleichgeschlechtlicher Sex mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft wird, ist ein Outing vor der Familie nahezu unmöglich.

Nach CALL ME KUCHU (TEDDY AWARD 2012) , der die Situation von Homosexuellen in Uganda dokumentierte, verdeutlicht BORN THIS WAY, wie lange der weltweite Kampf um Toleranz und Gleichberechtigung dauern wird.

CinemaxX 7, 21.30 Uhr

Spiegel blicke

In DESHORA (BELATED) hängen die Wolken schwer über den Tabakfeldern im Gebirgsdschungel des Nordwestens von Argentinien. Hier, fern der Großstadt, leben Ernesto und Helena. Die beiden wünschen sich Kinder, doch ihre Leidenschaft ist verblasst. Eines Tages kommt Helenas Cousin Joaquín zu ihnen, der gerade einen Drogenentzug hinter sich hat. Die Männer gehen in den Wäldern jagen, zur Feldarbeit oder besuchen Hahnenkämpfe. Dabei kommen sie sich näher, als sie wahrhaben wollen. Alle verleugnen sie ihre Gefühle und die körperliche Anziehung, die sie füreinander empfinden. Das nicht gelebte Begehren sucht sich jedoch seine eigenen, unberechenbaren Wege.

CinemaxX 7, 21.30 Uhr

Interview DESHORA

 

Nur kurz Telefonieren

 

BESHIVHEY HAYOM (PRAISE OF THE DAY): Freitagnachmittag in einem Park in Jerusalem. Der Sabbat steht vor der Tür, die letzten Vorbereitungen werden getätigt und es ist fast menschenleer, von der Cruiser-Szene abgesehen. Dann taucht sein Geliebter auf; der Mann, den er wirklich will. Die beiden gehen in dessen Wohnung. Oren versucht wieder, ein Telefonat zu führen, diesmal mit Erfolg. Die Hingabe an den Moment wird von seinem Anruf verzögert, aber nicht aufgehalten.

CinemaxX 3, 22.00 Uhr

Kopflos in Berlin

In LOSE YOUR HEAD verlässt Luis seinen Freund und fliegt von Spanien nach Berlin, um ein unbeschwertes Partywochenende zu verbringen – und begegnet Viktor, der eine faszinierend beunruhigende Anziehung auf ihn hat. Kurz darauf wird Luis mit Dimitri verwechselt, einem vermissten Griechen. Dimitri ist Viktors Ex-Freund, doch Viktor hat keine Erklärung für dessen spurloses Verschwinden. Luis kämpft gegen seine wachsenden Zweifel und lässt sich von Viktor in einem unberechenbaren Kräftefeld aus Kontrolle und Hingabe immer weiter gefangen nehmen.

Stefan Westerwelle, der bereits im letzten Jahr mit DETLEF beim TEDDY war, zeigt Wuchtige Trance-Bilder in einem schlaflosen Berlin – sie verdichten sich zu einem elektrisierenden Fieberwachtraumtrip, der ein unstillbares Verlangen evoziert.

CineStar 3, 22.45 Uhr

 

 

 

 

VERANSTALTUNGEN

Propaganda Party

Ab 23.00 Uhr findet im Goya die TEDDY SPECIAL Propaganda Party statt. Knallige Beats und unschlagbare Hits bringen die Massen auf die Tanzflächen. Und für geladene Gäste gibt es noch die Special Teddy Lounge. Lasst euch das nicht entgehen!

Goya, Nollendorfplatz 5, 10777 Berlin

Ab 23.00 Uhr

U1, U2, U3, U4 Haltestelle Nollendorfplatz